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Anja M. Bönsch

Autorin

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Egal, wie alt - für eine Mutter bleibt man immer Kind!

24.05.2015

 

 

 

Wieder Kind, oder immer noch Kind, du bleibst immer Kind – für deine Mutter

 

 

Der Tag war da. Der Abschied. Für sechs Wochen verlasse ich mein Elternhaus, um gesundheitlich wieder auf die Beine zu kommen,

 

Ich brauche Hilfe, um wieder vollständig im Leben zu stehen und daran teilnehmen zu können.

 

Es war der Abreisetag.

 

Mit einem flauen Gefühl, zittrig, viel Neugier und auch Angst stand ich mit meiner Mutter im Hausflur des gemeinsamen Hauses.

 

Meine Mutter nahm mich in den Arm und drückte mich sehr fest. So wollte mich gar nicht gehen lassen, da sie die nächsten fünf bis sechs Wochen das Haus allein bewohnen wird.

Meine Mom bewohnt den unteren Teil des Hauses und ich die oberen Etagen.

 

„Du wirst wieder gesund! Versprichst du mir das? Du wirst alles tun, um wieder auf die Beine zu kommen!“ Die Empfehlungen und gut gemeinten Ratschläge einer besorgten Mutter.

 

Noch immer, in Mutters Arm, zittere ich. Auch in mir stieg ein Gefühl der Wehmut und Einsamkeit hoch.

 

Obwohl ich, mitten im Zenit des Lebens stehe, kam ich mir wieder wie ein Kind vor. Ein Kind im Alter von 10 Jahren, das zum ersten Mal ins Schullandheim oder Jugendherberge fährt.

In diesem Moment war ich nicht ihre 45-jährige Tochter, die gleich ins Auto steigt, um in die Klinik zu fahren, sondern wieder ein kleines Mädchen.

 

„Erhole dich gut und werde wieder gesund! Und iss genug! Du bis so dünn! Hast du etwas Essen für die Fahrt eingepackt?“, fragte sie besorgt nach.

 

„Ja Mama“, antwortete ich. „Ich halte an einem Rastplatz und werde eine Kleinigkeit essen“, kann ich nur erwidern.

 

Ihr Blick ist voller Sorge.

 

Ich wohne jetzt seit über einem Jahr wieder in meinem Elternhaus mit meiner Mutter. Seit mein Vater vor zwei Jahren verstarb, ist sie wieder für eine längere Zeit allein.

 

Ich sah Wehmut in ihren Augen. Auch waren diese feucht.

 

„Mama, ich komme ja bald wieder“, konnte ich nur antworten.

 

Ich wollte endlich ins Auto und zur Klinik fahren.

 

Mutter merkte es und löste ihre Umarmung.

 

Sie drückte mir noch meinen dicken Parka in die Hand.

 

„Mom, den brauche ich jetzt wirklich nicht mehr. Wir haben ja fast Sommer“, ist meine Antwort zurück.

 

Mit einem Kuss von Mutter auf die Wange, verließ ich das Haus.

 

Auch ich fühlte mich in diesem Moment verlassen, Ich stieg in das zuvor gepackte Auto und fuhr los.

Mir zitterten die Knie und wollte am Liebsten sofort aus dem Auto steigen.

Wir winkten uns zum Abschied.

Auch ich hatte einen Kloß im Hals.

 

Mittlerweile bin ich schon fast eine Woche in der Klinik und manchmal friere ich hier, in der Klinik, bitterlich, da es hier oben auf dem Berg doch recht kühl ist.

 

´Warum hast du nicht auf Mutter gehört`, schimpfe ich oft in meinen Gedanken. Ich war zu erwachsen um den mütterlichen Vorschlag anzunehmen. Einer 45-jährigen Tochter sagt man doch nicht mehr, was sie anziehen soll. Ich bin ja schließlich alt genug.

 

Heute Morgen ging es mir nicht gut und die Schwestern brachten mich auf mein Zimmer. Als ich zur Ruhe kam, und ein wenig, auf dem Bett liegend vor mich hindämmerte, klingelte mein Telefon. Am Apparat – meine Mutter.

 

Sie spürte, dass ich etwas Zuspruch nötig hatte. Ihre Instinkte wurden geweckt und gewarnt. Ich sehnte mich in meiner Situation gewaltig nach meiner Mutter, wenn auch nur am Telefon.

Sie sprach mir Mut zu und munterte mich auf.

 

Mir geht es, jetzt am Nachmittag, wieder gut.

 

Es war meiner Meinung nach kein Zufall, sondern mütterlicher Instinkt. Sie spürte die Sehnsucht und den Hilferuf ihrer Tochter in ihr.

 

Wenn das nächste Mal meine Mutter mir empfiehlt, eine dicke Jacke einzupacken, nehme ich diesen, Rat an.

 

Denn Mütter bleiben Mütter, egal wie alt das Kind, ihr Kind, ist und was vielleicht in der Vergangenheit passiert ist.

 

Du bist immer noch ein Kind – IHR KIND mit aller mütterlichen Liebe.

 

 

© 2015 Anja M. Bönsch

 

 

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