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Anja M. Bönsch

Autorin

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zum Nachdenken und Leben:

26.03.2015

 

Wie viel hält ein Mensch aus?

 

Die Natur hat uns Menschen ein zähes Gerüst gegeben. Unsere Gelenke werden durch Muskeln gestärkt, damit jeder Sprung, Fall oder auch Bewegung gut abgefedert werden. Auch unsere Knochen sind bis zu einem gewissen Punkt biegsam, bevor diese brechen.

Ich bin der Meinung, hier hat die Natur sich wirklich hervorragende Gedanken gemacht, und uns Menschen mit einem tollen Skelett, Sehnen und Muskulatur ausgestattet.

 

Heute Morgen im Fitnessstudio ging ich, wie immer, auf die Hantelbank und trainierte meine Arme. Bei dieser Übung liege ich mit dem Rücken auf der Bank und stemme die Langhantel mit 30 kg. Gewicht hoch.

`Mehr kann sie nicht, da geht doch noch etwas!`, werden sich manche jetzt denken.


Mit Sicherheit geht da noch etwas mehr. Doch ich erlaube mir bei meinem Training eine Individualität, mein Trainingsgewicht, selbst zu gestalten. Sonst könnte ich mich verletzen.

Mit hoher Wahrscheinlichkeit könnte es mir in absehbarer Zeit gelingen, mehr zu stemmen, momentan bin ich noch bei diesem Gewicht, da mein Körper nicht mehr zulässt. Vielleicht kann ich in der nächsten Zeit und mit mehr Training, noch mehr Gewicht auflegen? Doch will ich das?

 

Es gibt Dinge im Leben eines Menschen, die können einfach nicht trainiert werden. Viel zu oft gibt es Situationen in unseren Leben, die wir aushalten müssen. Ohne uns darauf vorbereitet zu haben. Der Schock sitzt dann meistens tief. Auch ich persönlich befand mich schon in einigen Situationen, auf die ich nicht vorbereitet, und vom bisherigen Leben trainiert wurde.

 

Es gibt einen Speicher in unserem Körper, der alles gute und schlechte festhält – Die Seele.

Die Seele eines Menschen lässt uns fühlen, spüren und auch erinnern. Sie warnt uns und zeigt uns auch unsere Grenzen. „Mehr nicht – wenn du weiter gehst dann...“, sagt sie uns.

 

Doch müssen wir bei vielen Dingen, über die von der Seele empfohlenen Grenzen, hinausgehen. Und das immer öfter, da es unsere Lebenssituation nicht anders zulässt. Wir wollen dem Ganzen entfliehen, können es aber nicht.

 

Dann gibt es Dinge, da könnten wir fliehen, es geht jedoch trotzdem nicht, da wir uns schon längst tief und fest in diesem Sumpf vergraben haben. Wenn wir versuchen uns daraus befreien, werden wir immer tiefer mit hinein gezogen. Für eine Selbstrettung ist es dann längst zu spät. Wir sind dann auf Unterstützung anderer angewiesen, die uns wieder befreien.

 

Ich muss gerade an eine meiner vielen Reisen denken. Auf einer Safari in Ostafrika sah ich einen Gepard, der eine Antilope jagte. Dieses Raubtier läuft ca. 90 km/h schnell. Sein Körperbau, seine Muskulatur und seine Gelenke ermöglichen dieses wahnsinnige Tempo. Jedoch kann er diese Geschwindigkeit nicht sehr lange halten. Für seine persönlichen Reserven ist nur ein sehr kurzer Sprint möglich. Gebannt schaute ich dieser Jagd zu. Er bekam seine Beute nicht zu fassen und somit fiel für ihn diese Mahlzeit aus. Seine Instinkte sagten ihm: Besser diese Mahlzeit nicht bis zur totalen Erschöpfung jagen, du musst wieder fit für den, für deinen, nächsten Sprint sein.
Unter einem Baum ruhte er sich dann aus.

 

Ich glaube nicht, dass er sich nach der missglückten Jagd einen Versager nannte, sondern er nutze die Zeit, um wieder seine Reserven für die nächste Jagd zu mobilisieren und zu sammeln.

 

Genau das sollten wir Menschen auch tun. Dinge, für die wir nicht trainiert wurden, einfach los lassen. Die Gedanken nicht mehr an dieses Ereignis oder evtl. beschämende Situation verschwenden. Wir verbrauchen dabei einfach zu viel Energie, wir lassen für die schönen Dinge und Facetten des Lebens, keinen Platz.

 

Wir Menschen haben alle Kratzer auf unseren Seelen, die einen sind tiefer und haben uns vielleicht sogar traumatisiert, die anderen Narben sind nicht ganz so tief, jedoch begleiten sie uns auch durch die weitere Zeit des Lebens.

 

Ich habe gelernt, mit meinen Narben und Kratzern zu leben. Ich habe auch viele Dinge, die ich nicht mehr schaffte, aufgegeben. Bin ich jetzt ein Feigling oder Versager?

Nein, denn ich habe auf meine Seele gehört. Meistens viel zu spät, jedoch hörte ich auf sie und lies die Dinge los.

 

Ich kann keine Antwort auf die Frage, wie viel ein Mensch aushält, geben. So sehr ich mir meinen Kopf darüber zerbreche. Jeden Tag gibt es Dinge in unserem Leben, die wir stemmen und meistern müssen. Jedoch sollten wir uns nie Feigling oder Versager nennen, wenn wir schon den 100-Meter-Sprint des Lebens in tollen 9,7 Sekunden laufen. Es werden und können nie 7,9 Sekunden werden - so hart wir auch trainieren.

 

© 2015 Anja M. Bönsch

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