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Anja M. Bönsch

Autorin

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Artikel 1: Die Würde des Menschen ist unantastbar.

 

28.06.2015

 

 

 

Vielleicht fordere ich nur zuviel, aber ein wenig oder ein ganz klein wenig hat doch noch keinem geschadet, oder doch?

 

 

 

Die vom Aussterben bedrohte Tugend

 

 

„Respekt, was ist das Mama?“ fragte neulich im Park ein Kind seine Mutter.

 

 

Also manchmal da könnte ich wirklich....

 

In vielerlei Hinsicht könnte ich manchmal wirklich meine erworbenen Boxkenntnisse anwenden. Einfach eine blutige Nase zum Wachwerden hauen. Der Mensch sollte dann eigentlich aufwachen und mal wieder, nachdenken.

 

Ich bin auf der Suche. Ich suche eine vom Aussterben bedrohte Art. ´Ja, die suche ich auch schon lange`, denken sich mit Sicherheit jetzt einige.

Doch was ich in der letzten Zeit vermisse, ist einfach Respekt beim Miteinander oder vor Gegenständen.

 

In der heutigen Ellenbogengesellschaft ist es einfach nicht mehr angebracht vor Menschen oder auch Gegenständen, wie zum Beispiel an Gedenkstätten den nötigen Respekt zu zeigen.

 

Vielmehr wird einfach herumpalavert oder sogar verwüstet. Für mich unfassbar. Doch es passiert immer wieder.

 

Ich weiß jetzt nicht genau, wie oft in meiner Heimatstadt die Gedenkstätte zur Loveparadekatastrophe oder auch andere Stätten der Einkehr und Besinnung, beschmutzt oder sogar zerstört worden sind.

 

Warum machen manche Menschen so etwas? Toll kann man sich dabei doch nicht finden, oder doch?

 

Ein jüngstes Beispiel erlebte ich persönlich vor einigen Tagen.

 

In Bad Zwesten gibt es hoch oben im Wald, auf einem Berg, einen Sorgenstuhl. Dieser aus Fels von der Natur geformte Stuhl dient zum Kummer dalassen und natürlich kann ein Mensch sich dort auch einfach nur ausruhen.

 

Hier kann jeder, dem der Schuh drückt, in Form eines symbolischen Gegenstandes seine Sorgen dalassen. Es sind dort Schuhe, Alkoholflaschen, Briefe und vieles mehr abgelegt.

 

Auch ich wollte in Form eines Briefes meine Sorgen dort lassen. Ich setzte mich dort auf eine Bank und schrieb meinen Kummerbrief an den Stuhl.

 

Es dauerte nicht lange, bis sich eine Gruppe Wanderer diesem ruhigen und besinnlichen Ort näherte. Was dann allerdings passierte ließ mich, trotz sommerlicher Temperaturen, frösteln.

 

Diese kleine Gruppe benahm sich sehr rüpelhaft. Trampelte auf den abgelegten Sorgen und Gegenständen herum und lachte über die leeren Alkoholflaschen.

 

Es wurden sogar Fotos von den aufgehängten Briefen gemacht. Fassungslos saß ich da. Die Bemerkungen der Gruppe waren stumpfsinnig und sehr dumm.

Ich zögerte. Sollte ich etwas sagen? Doch so schnell wie die Gruppe auftauchte, verließen sie den Ort wieder.

 

Mittlerweile war ich mit meinem Sorgenbrief fertig. Doch ich zögerte. Wird mein Brief auch zertrampelt und darüber gelacht?

Wird dieser sogar fotografiert und hinterher sogar im Internet veröffentlicht?

Meine Gedanken kreisten.

 

Letztendlich rollte ich das Papier, band einen Faden darum und legte diesen ab.

Ich bin doch nicht den beschwerlichen Weg bergauf gegangen, um meine Sorgen wieder mitzunehmen.

 

Ich sah, mal wieder, den Beweis, dass viele Menschen gar nicht nachdenken und viel zu unüberlegt manche Orte der Besinnung betreten.

 

Es wurde ohne Rücksicht einfach darauf losgepoltert und im Kummer der Mitmenschen gesuhlt. Man belustigt sich sogar an den Sorgen der Anderen, anstatt ein wenig Ehrfurcht, Anteilnahme und vor allen Dingen den notwendigen Respekt zu zeigen.

 

Gestern beim Einkaufen erging es mir ähnlich. Ich schob in der Kassenschlange meinen Einkaufswagen, für meinen Hintermann zu langsam, nach vorn. Um seine Eile zu zeigen, schob mir der hinter mir Wartende, immer wieder seinen Wagen in die Beine. Bis ich mich zu ihm herumdrehte um ihn freundlich, wenn auch etwas energisch, darauf anzusprechen.

 

Die Originalantwort erspare ich mir hier. Diese war sehr ausfallend.

Daraufhin ließ ich ihn nicht mit seinen drei Teilen vorrücken. Hätte er mir auf seine Eile hin, eine vernünftige, super freundlich brauchte sie nicht zu sein, Antwort gegeben, dann wäre ihm manche Warterei erspart geblieben. So brauchte ich, wegen des Ärgers und Wut in mir, noch etwas länger um meine Waren zu bezahlen und in den Wagen zurück zu legen. .

 

Viele Menschen beschweren sich immer wieder, dass immer weniger Respekt und Höflichkeit gezeigt wird.

Ich denke, wir stehen erst am Anfang – der Verrohung der allgemeinen Gesellschaft. Jeder ist sich selbst der nächste. Es ist ja auch cool einfach irgendwelche Orte zu zerstören, die für viele Menschen eine Bedeutung haben.

 

Ich werde, auch als Opfer der Loveparadekatastrophe, am Fünf-Jahres Gedächtnis in drei Wochen teilnehmen, und hoffe, die Gedenkstätte einwandfrei vorzufinden, um dort Blumen und eine Kerze zu hinterlassen.

Es ist eh schon traurig genug, darauf zu hoffen.

 

Jeder sollte mal für einen kurzen Augenblick in sich hineinhorchen und den Respekt hervorholen, so klappt es (auch wieder) mit dem Nachbarn.

 

 

© 2015 Anja M. Bönsch

 

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