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Anja M. Bönsch

Autorin

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Stolz und Würde oder Dummheit?

Sport ist Mord - Breitensport wäre dann ja Massenmord.....

 

12.05.2015

Der innere Schweinehund, oder wie bekommt man seinen Motivator in Gang

 

 

Hmmmmm. Wenn man doch mal darüber nachdenkt – quiekt oder bellt der innere SCHWEINE-HUND?

Ich meine Schweine grunzen, quieken und Hunde bellen und jaulen. Und warum heißt dieser Schweine-Hund überhaupt Schweinehund? Nur mal kurz nachgedacht.

 

Schweine und Hunde sind doch eigentlich sehr fleißige Tiere. Die Schweine suhlen, räkeln, fressen und Hunde bellen, passen auf und liegen auch manchmal nur faul herum. Aber wenn es darauf ankommt sind beide Tiere am Start. Die Sinne funktionieren bei beiden wirklich hervorragend. Schweinen sagt man den sechsten Sinn nach und Hunde hören sowie riechen die Gefahr noch lange bevor wir Menschen überhaupt etwas merken.

 

Auf jeden Fall hatte ich heute Morgen mit meinem inneren Schweinehund gewaltig Probleme. Mein Motivator in mir versuchte mich ordentlich auf Trab zu bringen und mich zum Sport zu überreden, doch mein Schweinehund bekam den Hintern nicht hoch.

 

Letztendlich siegte mein Pflichtbewusstsein gegenüber meiner Trainingspartnerin für den heutigen Tag und ich raffte mich um halb sechs heute Morgen zum Sport auf.

 

Als ich dann im Sporttempel ankam sah ich ein genauso müdes Gesicht meiner Freundin, wie das zuvor im Spiegel betrachtete meines. Passt!

 

Auf dem Laufband vertraute sich meine Trainingspartnerin dann mir an: „Du heute geht es nicht so gut. Ich merke wirklich jeden Knochen. Wir renovieren gerade unsere Terrasse und ich habe gestern ganz schön gearbeitet. Können wir unser Krafttraining danach heute mal ausfallen lassen?“

 

Ich gebe zu, das waren wirklich aufmunternde Worte heute Morgen. Auch wir sind noch nicht mit der Renovierung unseres Hauses fertig und ich merkte heute Morgen auch jeden Knochen und Faser. „Ehrlich“, sagte ich „auch ich bin Opfer der Renovierung. Es ist absolut OK! Dann machen wir heute nur Lauftraining“, war meine freudige Antwort. Das ich gestern abend noch auf meinem Crosstrainer hier zu Hause und eine Boxeinheit trainiert hatte, verschwieg ich - vorerst.

 

Ich gebe zu, durch unsere müden Knochen, müssen wir beide heute wirklich ein Bild des Sportjammers abgegeben haben. Wir waren auch, bis auf zwei Ausnahmen, allein im Tempel des Sportes. Die Mittrainierenden sahen uns nicht, wie wir uns wirklich von Laufeinheit und von Minute zu Minute immer weiter quälten.

 

Unsere Unterhaltung kam in Gang und auch die Muckibude füllte sich langsam mit anderen Sportbegeisterten. Das gab uns den Anlass aufrecht und weiter vollkommen motiviert, zumindest den fitten Schein nach Außen zu wahren, weiter zu laufen. Immer lächeln und weiter machen.

Nichts ist von unseren müden, wehen Knochen zeigen. Wir beide sind Fit!

 

Immer wieder kamen nach und nach mehr Mittrainierende zu uns und begrüßten uns. Man kennt sich. Immer weiter lächeln, wir sind topfit, keine wehen Fasern und schon mal gar nicht Schwäche zeigen. Nein! Das geht schon mal gar nicht.

 

Wenn die anderen Sportgeister jedoch zu sehr mit ihrem Training beschäftigt waren und sich uns wieder abwandten ging wieder das Bild des Jammers los. Wieder das wehe Gesicht und natürlich auch die müden Beine, die jedoch, je müder diese wurden, uns nur noch weiter antrieben.

 

Und schon wieder kam ein bekanntes Gesicht auf uns zu. Jetzt bloß nicht schlapp machen. Mein Shirt konnte ich bereits durch die schwülen Temperaturen im Studio auswringen. Schweißnass klebte es auf meiner Haut.

 

Doch aufgeben – Niemals. Das geht gar nicht. Wieder tapfer lächeln und keine wehen, müden Knochen. Als der morgendliche Grüßer sich wieder uns abwandte, wieder das Bild des Jammers. Wir fielen förmlich in uns zusammen.

 

Munter ging es so weiter.

 

Mein Schweinehund in mir kämpfte weiter gegen meinen Motivator und meine Fasern winselten um Gnade, jedoch aufgeben kam für mich nicht in Frage. Bloß jetzt nicht schlappmachen. Du schaffst es. In meinen Gedanken munterte ich mich weiter auf.

 

Meine Freundin schaffte 120 Minuten und ich, da ich es nicht ganz pünktlich zur Verabredung geschafft hatte, ganze 105 Minuten.

 

Triefend verließen wir unsere Trainingsgeräte. Natürlich wahrten wir unseren Schein bis zum Schluss, dehnten uns noch tapfer aus, um in der Umkleide dann letztendlich wirklich auf den Gnadenschuss zu warten. Man was waren wir fertig – aber auch stolz!

 

Es geschafft zu haben.

 

Obwohl mein Schweinehund immer wieder flehte und mein Motivator heute nicht der fitteste war.

 

Trotzdem hielten wir uns, bis zum vorher besprochenen Zeitpunkt, bei der Stange und quälten uns durch unserer vorgenommenes Laufpensum.

 

Jetzt am Abend resümiere ich noch einmal den heutigen Tag und denke mir, wie verrückt wir beide eigentlich waren. Immer wieder den Schein des fittesten Turnschuhs des Muckitempels zu wahren. Warum haben wir nicht einfach ein lockeres Training gemacht und einfach mal nicht die Grenzen unseres Körper überschritten?

 

Ich denke, es waren einfach unserer Stolz und Würde in uns. Wir haben uns gequält, weil wir uns selbst nicht eingestehen wollten, dass wir beide heute wirklich über unsere Grenzen gegangen sind und heute ein hartes Training nicht wirklich passte.

 

Aber es tat gut. Es tat gut, eine grenzüberschreitende Erfahrung (mal wieder) zu machen und nicht ganz ohne Stolz werde ich zu Bett gehen.

 

Man, was bin ich müde und meine Fasern, Muskeln sowie Knochen winseln um Gnade.

 

Aber Morgen bin ich wieder am Start und gehe zum Sport. Von nichts kommt schließlich nichts.

 

 

© 2015 Anja M. Bönsch

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