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Anja M. Bönsch

Autorin

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Kleine ganz GROSS!

 

21.07.2015

 

 

Klein – aber oho!

 

Die „Kleinen“ haben es oft schwer im Leben. Viele werden einfach übersehen oder ein Mensch nimmt die „Kleinen“ allzuoft nicht ernst.

Jedoch ist Größe gar nicht entscheidend, vielmehr doch das Lebewesen oder der/die „Kleine“ selbst.

 

Jemand kann sich klein machen, oder auch als „Kleiner“groß herauskommen. So geschehen letzte Woche.

 

 

 

Vergangene Woche versorgte ich einen Pflegehund. Einen kleinen Pflegehund. Ich hütete für die Zeit, in der meine Nachbarin im Urlaub war, ihre Pekinesendame.

 

Die erste Antwort, die ich zu hören bekam war: „Der Hund ist klein, da wirst du kaum Arbeit haben“.

 

Denkste! Die Arbeit war gleichzusetzen mit einer „großen“ Hundebetreuung.

 

Zuerst sollte ich einmal kurz diese, doch recht anspruchsvolle Rasse (ich meine das jetzt nicht negativ – ganz im Gegenteil), kurz beschreiben.

 

Pekinesen wurden in China schon zu Kaisers Zeiten als Palasthunde gezüchtet. Diese Rasse gibt es schon mehrere Jahrhunderte.

Pekinesen sind keine Läufer, jedoch auch diese Hunde stellen Ansprüche an ihre täglichen Gassirunden. Und vor allem sind die Löwenköpfchen, so werden die Hunde auch genannt, sehr schlau. Ich meine wirklich schlau. Und haben diese Hunde einmal ihr Herz verschenkt, geben sie auch nicht mehr auf.

 

Natürlich wollte ich der kleinen Hundeseniorin ihren Aufenthalt bei mir so angenehm, wie möglich gestalten. Da ich diese kleine Hündin, bis dato, nur von kurzen Streicheleinheiten her kannte.

 

Durch meinen damaligen Hund habe ich gelernt, dass ausgiebige Streichel- und Krauleinheiten gerne genommen werden. So liebte es auch Laila, so heißt diese rüstige Hundedame.

 

Ich begann also mit Streichel- und Krauleinheiten. Schnell hatte sie sich an meine Hand gewöhnt und sie vertraute mir, in Streichelangelegenheiten, sehr schnell. Ich saß mit ihr auf dem Boden und nach kurzer Zeit war auch schon der Hund auf meinem Schoß.

´Geht doch`, dachte ich mir und war entsprechend zufrieden.

 

Aber es sollte ja noch die Nacht kommen. Ich hoffte inständig, dass es nicht zu Jaulen und Wehklagen kam.

 

Nach unserer letzten Abendrunde, gingen wir beide dann zu Bett. Ich hatte ein altes Kopfkissen entsprechend als Hundebett und Ruheplatz umfunktioniert.

 

Laila zeigte mir dann, wo der Hund gerne schlafen möchte und ich nahm sie mit in mein obiges Schlafzimmer (ich wohne Maisonette). Vielmehr trug ich die Lady hinauf. Ich hatte Angst, sie könnte sich an den glatten Treppen verletzen.

 

Die Nacht war friedlich und ruhig. Als Frühaufsteherin des Hauses und Tages, plante ich für den Morgen dann eine Morgenrunde mit dem Hund und anschließend eine Trainingseinheit für mich im Fitnessstudio. Und nun komme ich auch zum Thema: Kluger, kleiner Hund.

 

Laila signalisierte mir am Morgen, dass ich nicht nur für ihre Pflege, als Futtergeberin und Gassigeherin, sondern sie für diese Woche ein komplettes Wellnesspaket bei mir gebucht hatte.

 

Durch lautes Jaulen und, ich nenne es einfach mal wehklagen, untersagte sie mir den Besuch im Sporttempel. Dem Hund zuliebe trainierte ich dann zu Hause. Und da war, denke ich, mein Fehler. Von nun an wickelte mich das Löwenköpfchen buchstäblich um ihre Pfote.

 

Ihre Erwartungen und Maßstäbe waren nun deutlich festgesetzt. ´Mit der kann ich auch Urlaub machen – im wahrsten Sinne`, schien der Hund zu denken.

 

Ehrlich - ein kurzer Laut und ich war präsent. Mit allen verfügbaren Mitteln. Wenn Madame gekrault werden wollte, wenn es Zeit für eine Runde im Park war, und auch was den Gaumen der fitten Hundeseniorin betraf.

 

Sie rührte nicht mehr das industriell gefertigte Futter, seit meine Mutter ihr am ersten Tag Putenfleisch gab, an. „Nein Mama“, rief ich noch verzweifelt. Doch schon war der Hund (fr)essenstechnisch versorgt.

 

Laila merkte sich ihre Futterquelle. Von nun an kümmerte sich meine Mutter, sie wohnt unter mir in der Wohnung, um den leeren Magen des Hundes. Immer wieder lief sie hinunter um den einen oder anderen Leckerbissen abzustauben.

 

Jeden Morgen, (ich konnte meine gewohnten Trainingseinheiten im Studio und auch zu Hause für die Woche vergessen) kraulte, streichelte und bürstete ich den Hund. Auch nahm ich mich ihrer Augenpflege an. Bei Pekinesen eines der wichtigsten Pflegepunkte.

 

Nach zwei Tagen vertraute sie mir dann voll und ganz und so kam, wie es kommen musste. Laila beschützte ihre „Ferienwohnung“ und Pflegemama. Ein Nachbar wurde deutlich, bei einer Gassirunde, auf Distanz gehalten.

 

Ich freute mich, wie die „Kleine“ immer größer wurde und in sich selbst aufging.

 

Die Tage vergingen sehr schnell und als mein Bruder am Wochenende mich besuchte und meinen Wohnbereich betreten wollte, da dachte ich wirklich, ich versorge einen Rottweiler.

 

Selbstbewusst und voller Inbrunst stand sie auf dem Treppenabsatz und signalisierte, dass dieser Eindringling nicht erwünscht war. Ich musste ganz schön aufpassen, dass sie nicht in die Wade zwickte. Also wirklich, sie beschützte mit Leib und Leben. Es war sehr niedlich, doch auch gefährlich. Erst nach gutem Zureden von mir, durfte dann mein Bruder die Küche betreten.

Ehrfürchtig, nicht ohne totale Beobachtung des Hundes, kam mein Bruder rein.

 

Und hier ist der Beweis. „Kleine“ können verdammt groß werden. Obwohl sie doch nur klein sind.

Ich habe einen Pekinesen erlebt der innerhalb von Sekunden zum Rottweiler wurde, und diese Lehre des Hundes habe ich mir angenommen. Auch ich werde jetzt, trotz normaler Größe, manchmal zum Rottweiler werden.

 

Ich war sehr traurig, als ich den Hund wieder in seine Familie zurückgab. Doch nicht ganz ohne Stolz, muss ich zugeben, denn ich habe diese fitte Hundeseniorin über sich hinausgehen lassen und einen tip-top gepflegten Hund übergeben. Nur über die Rasse bin ich mich nicht mehr sicher. War es vielleicht nicht doch ein Rottweiler, den die Nachbarin bei mir abgeholt hat?

 

 

 

© 2015 Anja M. Bönsch

 

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