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Anja M. Bönsch

Autorin

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Motto: Wir laden hier einfach weiter unseren Müll ab.....

16.04.2015

 

Die Restauration und der Familienfrieden

 

Mein verstorbener Vater war ein Jäger. Nicht in dem Sinne, sondern er sammelte und jagte mit großer Leidenschaft, das was die Leute für unschön befanden und wegwarfen.

Ich gebe zu, im Garten hinterm Haus sah es manchmal schon recht chaotisch und unordentlich aus.

Seine Schätze wurden teilweise zu recht künstlerischen Türmen aufgeschichtet und standen oft jahrelang unbenutzt, unrestauriert herum.

Meine Mutter tolerierte diese Leidenschaft, wenn auch zähneknirschend. Jedoch war er immer als Rentner beschäftigt. Viele Dinge restaurierte er sehr liebevoll. Auch ich habe einige seiner restaurierten Schätze heute in meiner Wohnung.

 

Nach seinem Tod räumten wir seine Sammlung auf und vieles wurde entsorgt. Mein Bruder hat, wenn in abgeschwächter Form, auch die gleiche Leidenschaft. Immer wieder tauchen unrestaurierte Sachen auf und werden dann einfach im Hof abgestellt.

 

So geschehen vor einem Jahr mit einer wirklich sehr gammligen Milchkanne. Diese stand sehr lange, ohne das sich jemand dieser annahm, im Hof in einer Ecke.

 

Immer wenn ich draußen auf meinen Sportgeräten trainierte, sah ich diese Kanne und diese tat mir sehr leid.

 

Letzte Woche nahm ich mich der Kanne an. Ich schliff und polierte sie ab und dann bekam sie einen Anstrich. Als filigrane Arbeit malte ich freihändig noch einige Blumen darauf. Drei Tage bastelte und malte ich an dieser Kanne.

 

Als ich mein fertiges Ergebnis sah, war ich sehr stolz. Ich gebe zu, diese Arbeit ist mir wirklich hervorragend gelungen.

Als Krönung pflanzte ich meine Lieblingsblume hinein. Eine Margerite.

Nicht ohne Stolz rief ich meine Mutter. Als sie die Kanne mit der eingepflanzten Blume sah, hatte sie vor Begeisterung Tränen in den Augen und freute sich. „Die bekommt einen Ehrenplatz!“, war die sofortige Antwort meiner Mutter.

 

Nur – und jetzt kommt der Knackpunkt. Diese Kanne gehörte gar nicht meinem Bruder. Ich dachte, er hat sie für den Garten besorgt und irgendwann wollte er die Kanne restaurieren. Das, das Korpus Delikt jemanden anders gehörte, wusste ich nicht.

 

Als die Besitzerin diese Kanne sah, wollte sie diese natürlich sofort haben. Also da wurde ich echt sauer.

Über ein Jahr stand die Kanne unbeachtet herum. Niemand kümmerte sich und jetzt, da sie fertig ist, wird Interesse gezeigt.

Frei nach dem Motto: Früher wurde im Hof und im Garten auch sämtlicher Müll abgeladen, wir machen einfach weiter. Hauptsache es ist erst einmal aus meinen Augen verschwunden.

 

Nur hat die Besitzerin nicht mit der Hartnäckigkeit meiner Mutter gerechnet. Natürlich wurde meine Arbeit nicht wieder zurückgegeben. „Über ein Jahr stand das verkommene Ding hier im Hof. Du hättest selbst Hand anlegen können! Jetzt, wo sie fertig ist, willst du sie wieder haben“, war die Antwort meiner Mutter. Sie verteidigte gnadenlos.

 

Ich selbst bin jetzt in Ungnade gefallen. Aber es ist mir egal. Ich sehe es als erzieherische Maßnahme. Der Hof soll einfach nicht mehr als „Müllhalde“ ausgedienter Sachen herhalten.

 

Mich hat diese Arbeit sehr entspannt und natürlich hat die Kanne auch einen Ehrenplatz erhalten. Gestern trainierte ich wieder im Hof. Als ich mich umschaute, sah ich viele Blumengefäße, die alle einen neuen Anstrich benötigen, herum stehen. Mutter hatte nach sämtlichen verfügbaren und alten Töpfen gesucht und mir diese in den Hof gestellt.

 

„Anja, bemalst du mir die bitte auch!“, fragte sie nach. „Natürlich“, war meine Antwort zurück. Ich habe jetzt viele Sachen herum stehen. Auch eine alte Gießkanne von meiner Schwester ist zur Restaurierung angemeldet.

 

Ich mache es gerne. Alte Sachen, soweit es mir möglich ist, wieder auf Vordermann bringen.

 

Was ich nicht mag, ist immer noch diese Respektlosigkeit mit der, einfach alte Sachen, wieder in den Hof gestellt werden und niemand kümmert sich darum.

 

Ich bemühe mich wirklich eine schöne behagliche Atmosphäre zu schaffen, jedoch Dinge hinstellen, nichts daran machen und einfach abzuwarten, das geht meiner Meinung nach gar nicht.

 

Mutter hat als rüstige Seniorin endlich das Recht, es auch gepflegt und schön zu haben und dafür tue ich alles – auch wenn ich dafür den Familienfrieden gefährden muss. Ich denke, das wird allen eine Lehre sein. Denn wenn wieder etwas hier abgeladen wird, dann werde ich es entsorgen oder restaurieren und behalten.

Ganz einfach. Da diskutiere ich nicht!

 

© 2015 Anja M. Bönsch

 

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